Die Finanzkrise und die Medien
Nagelprobe für den Wirtschafts- und Finanzjournalismus
Rengsdorf/Hardert : MGS Marketing GmbH, 2008. -
36 S.
Die Finanzkrise stellt eine Nagelprobe für den Wirtschafts- und Finanzjournalismus in Deutschland dar. Obwohl vereinzelt im Vorfeld der Krise Warnungen vor einem Kollaps des internationalen Finanzsystems publiziert wurden, hat kein Wirtschaftsjournalist und kein Medium die Krise in ihrem tatsächlichen Ausmaß vorhersagen können. Die zunehmende Komplexität der globalen Wirtschaft, ein gestiegener Zeit- und Kostendruck in den Redaktionen und Ausbildungsdefizite zählen zu den Ursachen, warum der Wirtschaftsjournalismus als Frühwarnsystem im Vorfeld der Bösentalfahrt in vielen Medien weitgehend ausgefallen ist. Dies ist ein Ergebnis des Dossiers „Die Finanzkrise und die Medien“, das im Rahmen des 13. Mainzer-MedienDisputs am 3. Dezember vorgestellt wird. Das 32seitige Dossier wurde von den Berliner Medienjournalisten Christian Meier und Stefan Winterbauer im Auftrag des MainzerMedienDisputs erarbeitet.
In einer Zeit, in der sich die Finanzwelt in einem bislang nicht gekannten Tempo verändert und bisher sicher geglaubte Grundsätze über Bord geworfen werden, müssen sich auch die Chronisten dieser Branche auf Veränderungen gefasst machen. Der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg analysiert: „Ich glaube, dass die Strukturen des Wirtschaftsjournalismus und auch die Strukturen der Wirtschaftswissenschaft in unserer Gesellschaft so ausgerichtet sind, dass man auf dem Auge der Kapitalismus- und Marktwirtschaftskritik im Zweifelsfalle eher blind ist.“
Es steht zu erwarten, dass es künftig zu einer noch stärkeren Ausdifferenzierung zwischen einigen wenigen Leitmedien, die sich Qualitätsjournalismus leisten, und einem Gros von „Mainstreammedien“, kommt. Diese können keine eigenen Akzente setzen oder in Recherchen investieren. Roland Tichy, Chefredakteur „WirtschaftsWoche“ geht von einer Arbeitsteilung im Markt der Wirtschaftsinformationen aus: „Während die Leitmedien auch perspektivische Geschichten bringen können, weil ihre Redakteure über das dazugehörige theoretische Rüstzeug verfügen, orientieren sich die anderen am Newsflow und sind für die Status-Quo-Berichterstattung zuständig.“
Die Grundlage des Dossiers bilden neben der Auswertung von Texten und Analysen zum Thema, Interviews mit zwölf führenden Wirtschaftsjournalisten und –experten sowie die Auswertung eines Fragebogens, der von leitenden Wirtschaftsredakteuren von Nachrichtenagenturen, Tageszeitungen, Zeitschriften, TV- und Radiostationen sowie Onlinemedien beantwortet wurde. Rede und Antwort standen u.a. Michael Best (Leiter der ARDBörsenredaktion), Nikolaus Brender (ZDF-Chefredakteur), Steffen Klusmann (Chefredakteur „Financial Times Deutschland“) und Hermann-Josef Tenhagen (Chefredakteur „Finanz Test“).
Über die Frage „Zwischen Finanz- und Realwirtschaft – Hat der deutsche Wirtschaftsjournalismus versagt?“ diskutieren während des MainzerMedienDisputs am 3. Dezember um 16.30 Uhr im ZDFKonferenzzentrum in Mainz namhafte Experten. Zur Debatte treten an: Dieter Balkhausen (Wirtschaftsjournalist und Autor u. a. „Raubtier-Kapitalismus), Robert von Heusinger („Frankfurter Rundschau“), Dr. Wolfgang Kaden (ehemaliger Chefredakteur „manager magazin“), Rudolf Dreßler (Medienkritiker) und Michael Best („Börse im Ersten“). Es moderiert der frühere Leiter der Holzbrinck-Journalistenschule, Prof. Dr. Christoph Moss (ISM Dortmund).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung ( S. 5)
Die Autoren ( S. 6) - Der Wirtschaftsjournalismus und seine Beobachter: Besonderheiten, Problemfelder, Trends ( S. 7)
- Die Finanzkrise und die Medien - Zwischen Panikmache und Business-as-Usual ( S. 12)
- Zusammenfassung der Experten-Interviews und Fragebögen ( S. 14)
- a. Wann wurde die Finanzkrise in der Redaktion wahrgenommen? ( S. 14)
- b. Wie haben Medien auf die Finanzkrise reagiert? ( S. 15)
- c. Defizite in der Berichterstattung und mögliche Ursachen ( S. 16)
- d. Wie hat sich die Sichtweise von Wirtschaftsjournalisten auf die Finanzbranche verändert? ( S. 18)
- e. Mögliche Folgen der Krise für den Wirtschafts- und Finanzjournalismus ( S. 20)
- Konsequenzen der Finanzkrise für die Wirtschaftsmedien ( S. 23)
- Zehn Thesen zur Zukunft des Wirtschaftsjournalismus ( S. 25)
- Anhang ( S. 27)
- a. Literatur ( S. 27)
- b. Gesprächspartner für Tiefeninterviews ( S. 27)
- c. Ausgewählte Interviews mit ( S. 28)
- Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur „Finanz-Test“ ( S. 28)
- Roland Tichy, Chefredakteur „WirtschaftsWoche“ ( S. 29)
- Wolfgang Kaden, Publizist, ehemaliger Chefredakteur „Spiegel“ und „Manager Magazin“ ( S. 32)
Weitere Informationen:
Die Finanzkrise und die Medien (32 S. 2.580 KB) [PDF]
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