Die Content-Falle
Journalismus in der digitalen Medienwelt
Hardert : MGS Marketing GmbH, 2006
(PDF-Datei, 44 S., 2.934 KB)
Die fortschreitende Digitalisierung der Verbreitungswege von Hörfunk und Fernsehen wird schrittweise zu mannigfaltigen Veränderungen der Mediennutzung, der Programmstrukturen, des journalistischen Handwerks und der journalistischen Inhalte führen. Die Untersuchung des Journalisten und Kommunikationswissenschaftlers Thomas Schnedler (Universität Hamburg) stützt sich zum einen auf die Auswertung von zehn Experteninterviews: Rede und Antwort standen unter anderem Fritz Raff, Intendant des Saarländischen Rundfunks und künftiger ARD-Vorsitzender, ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und der Präsident des VPRT, Jürgen Dötz. Analysiert wurden zum anderen die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung der Intendanten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der Geschäftsfuehrer der Privatsender sowie die Prognosen mehrerer unveröffentlichter Studien der Medienforschung.
Vor diesem Hintergrund heisst es in der Untersuchung, dass es für den Journalismus in der digitalisierten Medienwelt darum gehen muss, für die Menschen erkennbar und unterscheidbar zu sein. "Professioneller Journalismus muss sich zum einen deutlich von pseudojournalistischen PR- und Werbeangeboten abgrenzen, die sich im Gewand eines journalistischen Produkts um Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit bemühen, aber oft genug nur den kommerziellen oder ideologischen Interessen der Auftraggeber dienen", fordert der Autor.
"Professionelle Journalisten müssen sich zum anderen abgrenzen von Amateurjournalisten, die ihre Angebote oft nach eigenem Gutdünken produzieren und die Qualitätskontrolle in die Hände anderer Laien legen. Auch wenn die Popularität nutzergenerierter Inhalte in Zukunft womöglich noch wächst, dürfen sich Journalisten dem nicht anbiedern, sondern müssen ihre eigene Leistung der an professionellen Standards orientierten Selektion und Aufbereitung relevanter Themen betonen."
Angesichts dieser Herausforderung warnt die Studie im Ergebnis vor dem nichtssagenden Begriff "Content". Er stehe für Inhalte jedweder Art "die einen meinen solide recherchierte Artikel, professionelle Hörfunkbeiträge und aufwändige Fernsehreportagen, andere denken auch an Klingeltöne, Amateurvideos, Download-Spiele, PR-Meldungen oder Musikfiles." Oft gedankenlos werde ein Begriff gebraucht, der den Unterschied zwischen seriöser Information auf der einen Seite und Kommerz und Amateurprodukt auf der anderen Seite verschleiere.
"Für die Erkennbarkeit des Journalismus in einer immer unübersichtlicher werdenden Digitalwelt bedeutet es eine Gefahr, wenn er nicht mit klaren Begriffen abgegrenzt wird von den vielfältigen Angeboten, die ihn begleiten und umgeben, die mit ihm um die Aufmerksamkeit der Rezipienten konkurrieren", heisst es im Resuemeé der Studie. "Wenn deshalb die zentralen Werte der journalistischen Tätigkeit, nämlich die vertrauenswuerdige Information, die zuverlässige Einordnung und die verlässliche Kontrolle in der digitalen Medienwelt Schaden nehmen, dann schnappt die 'Content-Falle' zu."
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung (S. 5)
- 2. Journalismus im Zeitalter der Digitalisierung – eine kurze Bestandsaufnahme (S. 7)
- 3. Die Digitalisierung des Rundfunks (S. 9)
- 3.1 Das digitale Fernsehen (S. 9)
- 3.1.1 Im Gewirr der Kürzel
- 3.1.1.1 Das digitale Antennenfernsehen (DVB-T)
- 3.1.1.2 Das digitale Kabelfernsehen (DVB-C)
- 3.1.1.3 Das digitale Satellitenfernsehen (DVB-S)
- 3.1.2 Fernsehen und Internet
- 3.1.2.1 IP-TV – die Bundesliga als Zugpferd
- 3.1.2.2 Schillernde Vielfalt im Netz
- 3.1.2.3 Beispiel ZDF-Mediathek
- 3.1.3 Fernsehen und Mobilfunk – TV als Pausenfüller
- 3.1.3.1 DMB – das mobile Taschenfernsehen
- 3.1.3.2 DVB-H – von Prototypen und Experimenten
- 3.2 Der digitale Hörfunk (S. 19)
- 3.2.1 UKW adé?
- 3.2.2 Podcasting, Godcasting – das Radio zum Abrufen
- 3.1.1 Im Gewirr der Kürzel
- 3.3 Der Wettbewerb auf dem digitalen Medienmarkt 21
- 3.1 Das digitale Fernsehen (S. 9)
- 4. Zwischen Fernsehsessel und Web 2.0 – die Mediennutzung (S. 23)
- 4.1 Die Mediennutzung heute (S. 23)
- 4.1.1 Fernsehen
- 4.1.2 Radio
- 4.2 Die Prognosen – Abschied von der Couch-Kartoffel? (S. 24)
- 4.2.1 Die Zurückhaltung der Nutzer
- 4.2.2 Der Blick in die Zukunft
- 4.3 Die Gefahr der digitalen Spaltung der Gesellschaft (S. 27)
- 4.3.1 Das Phänomen "Digital Divide"
- 4.3.2 Die Einschätzungen der Befragten
- 4.1 Die Mediennutzung heute (S. 23)
- 5. Die Folgen für den Journalismus (S. 30)
- 5.1 Die Berufsrolle der Journalisten in der digitalen Medienwelt (S. 30)
- 5.2 Das Handwerk des Journalisten (S. 31)
- 5.2.1 Ein Journalist, viele Kanäle – Zukunft Multimedia?
- 5.2.2 Vernetzung und Arbeitsteilung
- 5.2.3 Der Journalist als Moderator einer Debatte mit seinem Publikum?
- 5.2.4 Die Bedeutung der Recherche in Zeiten der Digitalisierung
- 5.3 Veränderungen der journalistischen Inhalte (S. 34)
- 5.3.1 Seichtes und Buntes – Unterhaltung auf allen Kanälen?
- 5.3.2 Videoschnipsel, Infobrocken und „Content-Snacks"
- 5.3.3 Alles "Content"? Werbung, PR, User Generated Content
- 5.4 Journalismus oder "Content"? Die Content-Falle (S. 40)
- 6. Zusammenfassung und Ausblick (S. 41)
Weitere Informationen:
Journalismus in der digitalen Medienwelt (44 S., 2.934 KB) [PDF]
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